Im Lichtblick des Augenblicks
Das Buch von Edith und mir.
Wir haben auf die Realität ein Auge geworfen, das sie verewigt hat.

Hier kommt ihr zum Forum der Fotoholiker, wo ich auch sehr engagiert mitwirke:
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Geschichten
Das Blesshuhn und der Spiegel
Es war kein besonders schönes Blesshuhn, es war grau und wagte kaum in den riesigen Spiegel unter sich zu schauen. Manchmal war der Spiegel wellig und kräuselte sich im sanften Wind.
Der Spiegel färbte sich im Laufe des Jahres mehrmals und einmal überzog ihn eine dünne Schutzschicht, da konnte das Blesshuhn auf ihm laufen. In dieser Zeit gab es kaum Futter, aber irgendwie schaffte sie diese strenge Zeit. Die Tage wurden wieder länger und das kleine Blesshun schwamm, fröhlich vor sich hin singend, hinaus auf den großen See, um mit ihren Freundinnen eine große Fete zu feiern. Die Fete dauerte den ganzen Sommer über, dort hatte sie auch geheiratet, obwohl sie nicht verstand, wie man ausgerechnet sie als Ehefrau aussuchen konnte. Sechs Eier hatte sie gelegt und zusammen hatten sie sechs Kinder großgezogen Der Sommer ging und zum Abschluss gab es einen riesengroßen Herbstball, wo sich alle Blesshühner der Umgebung trafen. Oh, was waren sie alle hübsch, beinahe neidvoll blickte das Blesshuhn auf ihre Kolleginnen, die sich ununterbrochen ihre allerneuste Geschichten erzählten. Das Blesshuhn seufzte vor sich hin.

"Du bist auch hübsch" "??", das Blesshuhn sah sich um. "Ja, dich meine ich". Verdutzt schaute das Blesshuhn in den großen Spiegel. "Redest du mit mir?, das Blesshuhn sah unter sich eine Kollegin, zwar etwas undeutlich, aber es war zweifellos eine wie sie. "Wer bist du und wieso sehe ich dich da unten?", das Blesshuhn schaute zum erstenmal bewußt in diesen riesigen Spiegel. "Ich bin du.", die Stimme machte sie neugierig. Für einen Moment konnte das Blesshuhn ihre Kollegin erkennen. Sie hatte ein hübsches schwarzes Köpfchen und auch sonst sah sie wirklich gut aus. "Wieso bist du unter mir?", das Blesshuhn drehte und wendete sich, aber das Gesicht sah sie immer an. "Weil ich du bin." Das Blesshuhn wurde ganz aufgeregt: "Wenn du ich bist, dann bin ich doch garnicht soooo hässlich, wie ich immer dachte.", das Blesshuhn pickte vorsichtig an seiner Koll..... an sich.....! "Sag ich doch." die Stimme wirkte beruhigend auf das graue Blesshuhn. "Eh, komm, lass uns gründeln." "Was?" "Gründeln, komm gib mr deine Hand." Vorsichtig berührte das Blesshuhn das Spiegelbild und plötzlich ging alles sehr schnell.

Ab und zu taucht es wieder auf, um nach den anderen zu schauen, aber der Grund unter ihr ist voller Wunder und soooooo geheimnisvoll schön.
© Bilder und Text: Sönke Harke
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Im Wolkenland
Vor einiger Zeit bekam ein älteres Mütterlein eine Einladung von höchster Stelle, vom lieben Gott persönlich. Sie solle sich doch bitteschön auf den Weg in den Himmel machen, den sie hundertfach verdient hätte. Der Himmel liegt sehr weit oben, viel weiter als die Wolken und auch weiter als die Sterne, die in der Nacht so herrlich glitzern und blinzeln. Ja noch weiter als dieses seltsame weiße Band, dass wir in lauen Nächten über uns beobachten können, der Milchstraße. Er liegt so weit oben über uns, dass kein Fernrohr, oder Spiegelteleskop ihn jeweils erreichen wird. Aber für unsere Seelen und Herzen, ist er sichtbar. Die Frau machte sich auf den Weg, denn den Himmel zu sehen, ist für einen Menschen das Schönste, dass er sich vorstellen konnte. Sie sah die alte Turmuhr, sah die Turmspitze und sah, als sie hinab blickte, die in sanfter Dunkelheit liegende Kleinstadt, in der sie sich so wohl gefühlt hatte. Sie sah, wie eine Mutter ihr Kind zudeckte und dabei lächelte. Sie sah, wie der Bauer mitten in der Nacht aufstand, um nach dem Pferd zu sehen, dass sich nicht wohl fühlte. Sie sah den Bettler auf einer Bank schlafen, zugedeckt mit alten Zeitungen, zupfte ihm eine Seite richtig, damit kein so leiser Windhauch seinen Schlaf stören sollte Die Stadt wurde kleiner und kleiner. Sie näherte sich den Wolken, jenem Gebilde, das die Erde immer mit Feuchtigkeit versorgte. Jenem Gebilde, das mit sich spielen und sich vom Wind in alle Richtungen treiben ließ. „Wir sind verantwortlich für die Menschen“, ein Schäfchen hatte sie angesprochen, „ohne uns würde die Menschheit verhungern und auch verdursten“. Die alte Frau lächelte der Schäfchenwolke zu. „Aber du alleine kannst nichts ausrichten“ „Wir sind eine große Gemeinschaft“, antwortete das Schäfchen selbstbewußt, „nur im Zusammenbund mit unseren größeren Brüdern und Schwestern können wir den nassen Segen über das Land verteilen.“. „Aber dabei verdeckt ihr die Sonne“, das ältere Mütterchen nickte dem Schäfchen zu. „Ja ich weiß, es geht nur eine Sache, entweder lassen wir die Sonne mit ihrem Lebenslicht passieren und ziehen uns zurück, oder wir verdecken die Lichtstrahlen und spenden Wasser“, das Schäflein wurde etwas größer. „Du hast dich aufgebläht, du willst den Menschen Regen bringen“? „Nein, es wird bald der Morgen mit seinem sanften Licht anbrechen, wenn uns die Menschen morgens sehen, geht es vielen von ihnen besser, dann fühlen sie den Tag“. Das alte Mütterlein fand diese Aussage beeindruckend. „So habe ich es noch nie betrachtet“ „Wir entschweben Richtung Himmel, um der Sonne Platz zu schaffen, ihr Licht über die Erde auszubreiten“, das Schäfchen entfernte sich etwas nach oben, die alte Frau folgte ihm mühelos. „Aber wenn ihr euch zu dunklen Wolken zusammengeschlossen habt, verdunkelt ihr ihr Licht, es kann die Menschen nicht mehr erreichen“. „Natürlich“, das Schäfchen kam langsam in Fahrt, „wie ich schon sagte, es geht nur eins, Regen, oder Sonnenschein. „Könnt ihr nicht ein Zeichen setzen?“ „Wie meinst du das, ein Zeichen?“ „Ein Zeichen voller Farben, etwas woran man die einzelnen Farben des Sonnenlichts sehen kann. Und ihr könnt weiter Regen machen, gleichzeitig aber zeigen, dass die Sonne noch da ist“ Das Schäfchen dachte eine Weile nach. Und es hatte die Lösung parat. Es sagte dem alten Mütterlein: „Immer wenn wir das Land verdunkeln, werden wir eine Brücke bauen, worüber die Lichtstrahlen wandern können, wo sie sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen und mitteilen, dass das Licht noch da ist und darauf wartet, dass uns der Wind an die Hand genommen hat und führt. Den Regenbogen“. "Wenn man sich an den Anfang setzen könnte, das wäre wunderschön" das Mütterlein seufzte und setzte seinen Weg fort.

© Bild und Text: Sönke Harke
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Von Stalker und anderen Gesellen.
Bislang, bis auf einige wenige Gästebucheinträge, bin ich persönlich von diesen Typen verschont geblieben.
Aber ich lese auch in anderen blogs und bin immer wieder erstaunt, mit welcher Vehements sie auftreten und sich einschmieren, im warsten Sinn des Wortes.
Selbst vor dem Tod wird nicht haltgemacht, nein er wird sogar benutzt um andere zu verunglimpfen.
Hauptsache ein Name wird in den Schmutz gezogen.
Neid und Missgunst beflüegelt diese negativen Menschen, ihren Unrat kundzutun.
Hattet ihr auch schon solche Erlebnisse?
Haben sie euch auch schon vor die Überlegung eines totalen Netzrückzugs gestellt?
Seid ihr auch schon möglicherweise bis an die Haustür verfolgt worden?
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Natürlich erzähle ich euch wo ich war.
Ich war in Nagold in einer Klinik, einen Tumor in der Blase operativ entfernen zu lassen.
Ist leider nicht ganz gelungen, ich muss in 6 Wochen nochmal hin.
Ich bin wohl etwas zu spät zum Urologen gegangen.
Gottseidank hat der Tumor noch nicht gestreut, so sagte man mir zumindest.
Es gilt also weiter die Daumen zu drücken.
Ich schreib das jetzt extra unter dieses Bild, weil mir der Abendhimmel gefiel und ich mindestens 1/2 Stunde fasziniert zuschaute, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwand.
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Ich bin wieder da.
Wo ich war erzähl ich ein andermal, aber ich hab auch etwas mitgebracht.
Wusstet ihr, dass Ameisen auf Wicken übernachten?
Also ich hab da eine Bekanntschaft gemacht.
Ich sah sie hochkrabbeln.
Scheinbar suchte sie was zu fressen, oder Läuse zum melken.
Dann hat sie sich auf die Plattform hinaus getraut. *gg*
Und sich wohl nicht ganz so sicher gefühlt.
Sie klammerte sich auch an ein Hälmchen.
Und fiel vor Schreck beinahe rücklinks.
Dann hatte sie sich aber letztlich doch gefangen und steuerte entschlossen nach oben.
Und genoss, was das Zeug hielt.
Am nächsten Morgen sass sie immer noch da oben.
Schön, gell?
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Die Schwäbische Sprache
Auszug aus "Süddeutsche Heimat"
Gotzig und gottsmillionisch
Wenn die Mannschaft kein gotziges Tor geschossen hat und der Torwart gottsjämmerlich versagt hat, ist der Gegner gottfroh und die Fans jubeln gottsmillionisch. Gotzig ist eine jener merkwürdigen Vokabeln, die es nur im Schwäbischen gibt. Was sie bedeuten, lässt sich an Hand von Beispielen erschließen:"Der Großvater hat keinen gotzigen Zahn mehr im Mund." "Die Großmutter hat einen gotzigen Zahn." Aber:"Der Säugling hat zwei gotzige Zähne." geht nicht. Folgerichtig bedeutet gotzig einzig. Einzig konstituiert gewissermaßen dessen Hinterteil. Den Anfang bildet aber kein Geringerer als Gott. Es war schlicht schwäbische Mundfaulheit die jenes gotzig verursacht hat. Gotzig ist der kümmerliche Rest des Eigenschaftswortes gotteseinzig.
Es fällt auf, dass der Schwabe gotzig korrekter anwendet als einzig, denn nicht nur Schwaben, sondern auch Hochdeutsch-Sprecher neigen dazu einzig zu einzigst zu steigen, was wenig Sinn macht. So ist es schlicht falsch (der Schwabe kann falsch sogar in grottenfalsch steigern), von der einzigsten Möglichkeit zu reden. Es genügt die einzige Möglichkeit.
Der Duden neigt sich allerdings vor Dichterfürsten, wie Goethe, oder Ernst Weichert.
Etwa wenn Johann W. von Goethe seufzt: "Einstigstes, einstigstes Mädchen.", oder Ernst Wiecherts "Da kniet noch immer Maria davor und weint um ihren einstigsten Sohn." Erbost müssen wir uns fragen, ob unsere großen Dichter von den im Duden formulierten Regeln befreit sind. Schließlich hätten sie das Wort einzig problemlos verstärken können, etwa durch die schwäbische Weise des Präfixes gott(es).
Wahrscheinlich hat Goethe das Wort gotzig nicht gekannt, sonst hätte er sicherlich von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.
Gotzig ist im Schwäbischen übrigens keine Einzelerscheinung. Gott muß im Schwäbischen auch herhalten für andere Steigerungen, wie gottsallmächtig, gottsmillionisch, gottserbärmlich, gottsjämmerlich, gottsunglücklich, oder schlicht gottfroh.
Und wegen dieser mächtigen Vorsilbe kann der Schwabe getrost darauf verzichten gotzigst zu sagen.
Denn gotzig ist das Non plus Ultra.
von Henning Peterhagen
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Es war einmal ein kleiner Engel im Himmel, der die Menschen mit solcher Nähe und Zärtlichkeit begleitete, dass er den unwiderstehlichen Wunsch empfand, nicht nur mit seinem Flügeln über die Erde zu schweben und schützend die Menschen zu achten, sondern er wollte selbst auf ihren Strassen gehen, einer von ihnen werden.
Eines Tages sah er auf der Erde eine eben erblühte Mohnblume. Da schien dem kleinen Engel, als habe er im Himmel noch nie ein solches Rot empfunden und seine Sehnsucht, zur Erde zu gehören, wuchs.
So trat er vor Gottes Angesicht und bat: “Lass mich auf die Erde, lass mich ein Mensch unter Menschen werden.“
Da trat ein erhabener, weiser Engel dazu und sagte: „ Weißt du auch, dass es auf der Erde nicht nur Sonne und Blumen gibt? Es gibt Stürme und Unwetter und allerlei Ungemütliches.“ „Ja“, erwiderte der kleine Engel,“ das weiß ich. „Doch sah ich auch einen Menschen, der hatte die Kraft, einen großen Schirm aufzuspannen, so dass zwei Menschen darunter Platz hatten.“ Es schien mir, den Beiden könnte kein Unwetter etwas anhaben.“
Da lächelte Gott dem kleinen Engel zu.
Die Zeit verging, und eines Tages erschien der kleine Engel wieder vor Gottes Angesicht und sprach.
„ Ich habe mir noch mehr angesehen von der Welt. Es zieht mich mehr und mehr hinunter.“
Da trat der erhabene, weise Engel wieder hinzu und entgegnete: „Weißt du auch, dass es Nebel und Frost und eine Menge verschiedene Arten von Glatteis gibt auf der Welt?“
Da antwortete der kleine Engel: „ ja ich weiß um manche Gefahren, doch sah ich auch Menschen, die teilten ihre warmen Mäntel. Und andere Menschen, die gingen bei Glatteis Arm in Arm.“
Da lächelte Gott dem kleinen Engel erneut zu.
Als wieder einige Zeit vergangen war, trat der kleine Engel zum dritten mal vor Gottes Angesicht und bat: „Lass mich ein Mensch werden. So rot blüht der Mohn auf der Erde. Mein Herz ist voll Sehnsucht, etwas zu diesem Blühen beizutragen.“
Da trat der erhabene, weise Engel ganz nah zu dem kleinen Engel und fragte mit ernster Stimme: „Hast du wirklich genug hingesehen, das Leid und das Elend geschaut, die Tränen und Ängste, die Krankheiten, Sünde und den Tod geschaut“
Mit fester Stimme erwiderte der kleine Engel: „Wohl habe ich auch das Düstere, Traurige und Schreckliche gesehen. Doch ich sah auch einen Menschen der trocknete einem anderen die Tränen, der vergab einem Schuldigen und der reichte einem Sterbenden die Hand. Ich sah eine Mutter, die wiegte ihr krankes, ausgemergeltes Kind durch viele Nächte und wurde nicht müde, die alte leise Melodie der Hoffnung zu summen. Solch ein Mensch möchte ich werden.“
Da trat der erhabene, weise Engel zurück und Gott schenkte dem kleinen Engel seinen Segen und gab ihm viel Himmelslicht mit auf die lange Reise.
Bevor der kleine Engel zur Erde niederstieg, nahm ihm der erhabene, weise Engel einen Flügel ab und der andere Flügel wurde unsichtbar. Da fragte der kleine Engel: „Mein Gott, wie soll ich vorwärts kommen und wie zurück finden ohne Flügel?“
„Das herauszufinden wird deine Lebensaufgabe sein“, hörte er Gottes Stimme zärtlich sagen.
In dieser Nacht kam ein kleines Kind zur Welt. Seine Mutter, noch vor Schmerz und Anstrengung betäubt, nahm das Kind in die Arme, sah das Himmelslicht wie einen Lockenkranz um das Köpfchen des Kindes leuchten und flüsterte: „ Sei willkommen unter uns, mein kleiner Engel.“
Noch lange sah man das Himmelslicht um das Kind. Doch wie das Leben so ist, es beschmutzt auch die reinsten und hellsten Lichter. All die vielen Einflüsse, die Härte und der Kampf taten ein übriges. Bald sah niemand mehr, dass der Mensch himmlisches Licht in sich trug.
Zwar machte sich der unsichtbare Flügel hier und da bemerkbar, doch was bei dem Kind als träumerischer, schwebender Schritt wahrgenommen wurde, das wirkte bei dem Heranwachsenden eher als unsicheres Schwanken und dann beim Erwachsenen dann nur noch als Hinken und Stolpern.
Je länger der Mensch, der einst ein Engel gewesen war, auf den staubigen und steinigen Wegen des Lebens ging, die mühsamen Treppen bestieg, die steil abfallenden dornigen Hänge hinunter strauchelte, desto mehr hatte er vergessen, woher er kam und weshalb er hier wanderte. Einzig die große Liebe zu den kleinen roten Mohnblumen, die an Wegrändern und Magerwiesen blühten, war ihm geblieben.
Viel Leidvolles begegnete dem Menschen auf seinem Lebensweg. Zwar konnte er manchmal eine Träne trocknen, zwar reichte er ab und zu einem schwankenden Mitmenschen die Hand, zwar brach er zuweilen sein Brot mit einem Hungernden, doch die meisten Rätsel blieben und er merkte mehr und mehr, wie wenig er tun konnte und wie vieles er unerledigt zurücklassen musste.
Seine Kraft reicht nur für ganz wenig, und oft schien es ihm als bewirkte sein Leben nichts.
Jeden Frühling aber blühte der Mohn an den Straßenrändern und erfreute des Menschen Herz. Nach einem besonders langen kalten Winter, in dem der Mensch kaum genug Wärme und Schutz, Raum und Nahrung, Freundschaft und Brot gefunden hatte, konnte er sich nur noch langsam und mühsam fortbewegen. Er musste viele Pausen machen und schlief vor Erschöpfung am Wegrand ein.
Da erblickte er weit über sich auf einem unerreichbar hohen Felsen eine kleine Wiese voll roten Mohn.
Der Mensch rieb sich die Augen. So rot, so rot erblühte der Mohn! Beim Anblick dieser Blumen wünschte er so sehr, dass er allen Menschen, denen er begegnete und allen Tieren, die um ihn waren, eine solche Blume und so ein klares, inniges Rot als Zeichen der Liebe schenken dürfe.
Da bemerkte er neben sich einen Wanderer, genauso müde, genauso gezeichnet von der langen Strasse wie er. „Wohin schaust du so voller Sehnsucht und voller Wehmut?“ fragte dieser. „Dort auf die Mohnblüten. So müsste die Farbe unserer Liebe sein.“ „Weißt du denn nicht, wie schnell diese Art Blumen welken, wie wunderbar sie sind?“ kam die Frage des Wanderers. Der Mensch, der einst ein Engel gewesen war flüsterte: „Ich weiß um ihre Sterblichkeit.
Trotzdem ist kein roteres Rot in der Welt und in meinem Herzen. „Diese Blumen sind wie die Liebe, mag das Äußere auch welken, ihr Rot bleibt in der Seele“: Da schauten sich die beiden Menschen ins Gesicht und erkannten den letzten Funken Himmelslicht in den Augen des Anderen. Sie sahen, woher sie kamen, wozu sie gewandert waren und wohin sie noch unterwegs waren.
Und sie sahen an sich jeweils einen Flügel.
Voller Freude umarmten sie sich. Da geschah das Wunder. Sie erreichten das Mohnfeld, gemeinsam konnten sie fliegen, denn...
Menschen sind Engel mit nur einem Flügel –
Um Fliegen zu können müssen sie sich umarmen.
Zu dieser Stunde sagte Gott im Himmel. „Du hast herausgefunden, wozu du unterwegs warst und ich dich aussandte. Dein Mohn blüht jetzt im Himmel, komm heim!“
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Das Märchen von der Traurigkeit
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, daß sie kaum zu hören war.
"Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit mißtrauisch.
"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
"Ich.....ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.
Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, daß mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."
"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet."
Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
"Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."
Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber...aber - wer bist eigentlich du?"
"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."
(Inge Wuthe)
hier die Erlaubnis der Autorin
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